Andachtswort Mai 2012
Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.
1.Timotheus 4,4
Liebe Geschwister,
dieser Vers ist für mich leicht verständlich und annehmbar, wenn ich daran denke, dass vor Kurzem unser Sohn geboren wurde. Wenn ich ihn ansehe, dann möchte ich nur allzu gerne einstimmen und sagen: Es ist wirklich gut, was Gott geschaffen hat und ich nehme es mit Dankbarkeit entgegen.
Der Timotheusbrief spricht jedoch in eine ganz andere Situation hinein. Es geht um "falsche Enthaltsamkeit". Man muss nicht weit in die Vergangenheit reisen, um Christen zu begegnen, die anscheinend sämtliche Lebensfreude als banal und sogar gefährlich einstufen, weil es sich um diesseitiges Gut handle.
Die Freude an dem Irdischen, dass Gott geschaffen hat, begegnet uns erstmalig am Anfang der Schrift, als Gott über sein Werk urteilt: Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. Der Psalmist gerät ins Siingen über die wunderbare Schöpferhand. Und auch im Timotheusbrief wird festgehalten: Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut.
Wer könnte sich mehr über diese Schöpfung freuen, als der, der den Schöpfer kennt und liebt. Durch Christus stellt unser himmlischer Vater unseren Fuß auf weiten Raum. Dem Prozess der Zerrissenheit zwischen Schöpfer und Geschaffenem gebietet Christus Einhalt und spricht: Siehe, ich mache alles neu. Durch sein Opfer sind wir mit Gott versöhnt. Und das bezeugt uns auch der Heilige Geist (
Hebräer 10,15
)
Der Vers erinnert zutiefst an die umwälzende Begegnung des Petrus mit Gottes neuer Order in
Apostelgeschichte 10,14
. Für Petrus - wie für uns - ist dies ein Lernschritt. Gott selbst sagt uns, was ihm gefällt. Wer ihm folgt, der kommt nicht umhin, ihn zu befragen und auf sein Wort zu horchen, statt seinen eigenen Ideen und Vorstellungen von einem gottgefälligen Leben anzuhängen.
Freilich ist dies kein Wort gegen eiine gute und vernünftige Enthaltsamkeit. Wenn sie bewusst geschieht und ohne Streben nach Selbstgerechtigkeit, kann sie der Seele gut tun und uns mitten im Lärm unseres Leben eiine Oase sein.
Wir dürfen auch nicht übersehen, dass es hier im Textabschnitt ursprünglich um Dinge wie die Ehe oder Speisen geht. Und so formuliert Paulus an anderer Stelle sehr treffend und hilfreich etwas allgemeiner (
1.Korinther 10,23
): Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf.
Alles, was Gott tut, dient zum Guten und baut auf. Wenn wir danach streben, ihm von Herzen ähnlicher zu werden, dann brauchen wir keine weiteren Regularien - wir werden dann stets sicher gehen, wenn wir die Frage aufwerfen: Gefällt es meinem himmlischen Vater? Darf ich vor ihm stehen und mich ehrlich bei ihm bedanken?
Möge uns dieser Gedanke begleiten durch einen wunderbaren, von Gott geschaffenen Mai.
Euer
Heiko Reinecke
Pastor